RSS
RSS

UnZeit im PANDA-Theater

11. Februar 2010 | 20:00

Gesprochene Blätter für Kunst und Kultur

Nummer 26. Ein Abend zum Thema „Grenzen"

Einlass 20:00. Beginn 20:30.
PANDA. Nicht nur russisches Theater.
Auf dem Gelände der Kulturbrauerei im kleinen Hof.
Knaackstraße 97, 10435 Berlin
Eintritt frei.

Texte von verschiedenen Autoren mit Judith Diamantstein, Yuri Garate, Sigrun Schneggenburger. UnZeit ist die Initiative einer Gruppe in Berlin lebender Künstler unter anderem aus Theater, bildender Kunst, Soziologie, Dramaturgie, Literatur.

38.49 КБ

VIER FRAGEN AN EVA DIAMANTSTEIN

1. „Die Zeit" heisst eine konventionelle Zeitung, auch in Russland gibt es eine TV-Sendung mit gleichem Titel - „Wremja". Selbst das Wort "Zeitung" gibt uns schon das Gefühl der Zeit - alles geht vorbei, heute aktuell, morgen vergessen... Ist UnZeit - eine Unzeitung im Sinne des Kampfes gegen unsere Vergesslichkeit?
- Ja, das kann man schon so sagen. In UnZeit beschäftigen wir uns mit Formen der Literatur, die immer unpopulärer werden, mit dem philosophischen und literarischen Essay, mit Lyrik, mit der Miniatur, dem Fragment... Und auch unsere Themen wählen wir nicht nach der Tagesaktualität aus, sie sind weitläufiger, vielleicht unmodisch, unsere „condition humaine" betreffend. Dabei berühren sie natürlich die aktuellen Fragen durchaus.

2. Seit wann gibt es UnZeit und wie viele Künstler haben daran teilgenommen, direkt oder mit ihren Texten?
- UnZeit existiert mittlerweile seit etwa drei Jahren. Wie viele Künstler teilgenommen haben? Dreissig bis vierzig etwa, Musiker und bildende Künstler, Performer, Literaten, Philosophen... Einige von ihnen sind zu ständigen Gästen, sei es life oder mit ihren Texten geworden, so z.B. Bora Ćosić, Lázló Végel, Christine Koschel, Alexander Delphinov, um nur einige zu nennen... Und dazu kommen noch die „toten Gäste", die wir ja auch nicht vergessen wollen, so haben unter anderen Daniil Charms, Karl Valentin, Walter Benjamin, Vilém Flusser ein sozusagen festes Engagement in unseren Veranstaltungen...

3. Wie könntest du kurz und einfach die Sache beschreiben, falls du Leute einladen würdest, die nie was davon gehört hätten? "UnZeit ist..."
- ... eine Art Lesung, könnte man sagen. Aber eben nicht nur. Immer gibt es dabei auch Musik, bisweilen Performance, manchmal Tanz oder kleine Theaterszenen, meist auch Beiträge eines bildenden Künstlers. Es ist eine regelmässig stattfindende Veranstaltung, bei der wir uns vornehmen, jeweils ein bestimmtes Thema, das uns besonders interessiert und mit dem wir uns während der Erarbeitungszeit auseinandergesetzt haben, literarisch, musikalisch und künstlerisch vorzustellen, zu umkreisen, zur Diskussion zu stellen - wir wollen zum nachdenken anregen, undogmatisch, persönlich, assoziativ, fragmentarisch, durchaus unterhaltsam, aber auf keinen Fall popularistisch.

4. Das Thema heisst Grenzen. Warum? Was bedeutet für dich selbst eine Grenze?
- Das Finden der UnZeitthemen ist ein gemeinsamer Prozess des Teams (wobei wir immer offen für neue Mitstreiter sind, die Lust haben zeitweise oder auch längerfristig an unseren Arbeitstreffen teilzunehmen). Wir erzählen uns, was uns gerade beschäftigt und einigen uns dann auf das jeweilige Thema. Mit Grenzen haben wir es täglich, bewusst oder unbewusst zu tun. Wir gehen durch eine Tür aus dem Haus, wir grenzen uns ab, wir grenzen ein, wir sind manchmal entgrenzt, als Künstler versuchen wir die Grenzen des Sagbaren zu überschreiten, zu sprengen, wir sterben und wir werden geboren.

Kommentare

Kommentieren